August 15, 2011

Der Waldgang als Hörbuch

UPDATE 18 AUG/11
Zwei neue Rezension zum Hörbuch "Der Waldgang" sind letztlich erschienen (danke Tobias Wimbauer!):

"Fränkischen Nachrichten" 15. August 2011, S. 23:
Hörbuch
1951 veröffentlichte Ernst Jünger den kulturpessimistischen Essay „Der Waldgang“. Jünger entwarf darin das Bild eines übermächtigen Staates – das kann sowohl ein diktatorischer Staat als auch die moderne Massendemokratie sein –, der seine Bürger gängelt und bevormundet. Gegen diesen omnipotenten Staat setzt Jünger den „Waldgänger“, den Einzelnen, der sich nicht von den Strukturen des Massenstaates vereinnahmen lässt, sondern Widerstand leistet. Der Waldgänger ist für Jünger eine Art Werte-Guerillero, der sich nicht von den Lockungen des Staates einfangen lässt. Und gerade dadurch wird er zum Totengräber des autoritären Staates, der auf die Nichtbeachtung seiner Werte mit einem Aufwand reagieren muss, der ihn auf Dauer zugrunde richtet. „Er kann selbst Heere lähmen, wie man es an der Napoleonischen Armee in Spanien gesehen hat“, schreibt Jünger. In Jüngers Waldgänger wird eine tiefe Abneigung gegen die Diktatur, aber auch die sich auf Medien stützenden Politik in der Demokratie erkennbar. Man muss Jüngers Analyse nicht teilen, muss aber seinem Scharfsinn in der Argumentation Achtung zollen. Jüngers Essay ist nun in einer Hörbuch-Edition, gelesen von dem Schauspieler Thomas Arnold, erschienen.
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Junge Freiheit, Nr. 34, 19. August 2011, S. 16 
Ein Akt des Widerstands Hörbuch: „Der Waldgang“ von Ernst Jünger 
THORSTEN THALER 
Ein gutes Buch ist wie ein guter Whisky: Sie reifen mit den Jahren. So ist es mit Ernst Jüngers Essay „Der Waldgang“, erschienen vor sechzig Jahren, 1951, und heute in der 13. Aufl age lieferbar. Wer die Schrift öfter zur Hand nimmt, wird feststellen, daß sie mit den Jahren an Aktualität und Bedeutung gewinnt. „Zur Eigenart unserer Zeit gehört die Verknüpfung bedeutender Auftritte mit unbedeutenden Darstellern. (…) Das Ärgerliche an diesem Schauspiel ist die Verbindung von so geringer Höhe mit ungeheurer funktionaler Macht. Das sind die Männer, vor denen Millionen zittern, von deren Entschlüssen Millionen abhängen. Und doch sind es dieselben, von denen man zugeben muß, daß der Zeitgeist sie mit unfehlbarem Griff auswählte, wenn man ihn unter einem seiner möglichen Aspekte, nämlich dem eines gewaltigen Abbruchunternehmens, betrachten will.“ Wer denkt bei diesen Sätzen Jüngers nicht sofort an die immer gleichen Bilder von immer neuen EU-Konferenzen und „Gipfeltreffen“, an Sarkozy und Berlusconi, von dem deutschen Politpersonal ganz zu schweigen? Als Akt des Widerstands gegen totalitaristische Tendenzen und Anpassung bleibe dem Einzelnen und kleinen Eliten nur der Waldgang, durch den der Wille zur Souveränität und Behauptung aus eigener Kraft bekundet werden könne. Diesem Jüngerschen Typus kann man sich jetzt nicht nur lesend, sondern auch hörend nähern. In der sehr umtriebigen Edition Apollon ist „Der Waldgang“ komplett als zudem noch prächtig gestaltetes Hörbuch erschienen, vorgelesen von dem Schauspieler und Sprecher Th omas Arnold. Einziges kleines Manko dieses sonst so verdienstvollen Unternehmens: Wer einmal zum Beispiel Ben Becker gehört hat, wie er aus Jüngers Werk liest, wird sich mit Th omas Arnolds Stimme nicht anfreunden können. 
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Ernst Jüngers "Der Waldgang" ist ein unausweichlicher Trittstein zum Roman Eumeswil und zur Figur des Anarchs - deshalb möchte ich hier etwas Reklame für das neue Hörbuch zum Roman (Edition Apollon) machen. (Nun auch bei Tobias Wimbauer Buchversand erhältlich: €23.99 versandkostenfrei Lieferung in Deutschland).
 
Das erste Jünger Hörbuch - Der Waldgang

Wie es auf der Seite des Online Verkäufers lautet:
»Es ist zu einer neuen Konzeption der Macht gekommen, zu starken, unmittelbaren Ballungen. Dem standzuhalten, bedarf es einer neuen Konzeption der Freiheit, die nichts zu schaffen haben kann mit dem verblaßten Begriffen, die sich heute an dieses Wort knüpfen.«

Ernst Jüngers Essay 'Der Waldgang' stellt sich der Frage "Wie verhält sich der Mensch angesichts und innerhalb der Katastrophe?" Als "Magna Charta des zivilen Ungehorsams im Zeitalter der Parlamentsherrschaft" und "Widerstandsfibel gegen Totalitarismus und Anpassung" beschreibt Ernst Jünger den Waldgang als Weg, neue Formen der Freiheit gegen neue Formen der Macht aufzubieten.

»Wenn 'Der Waldgang' aufruft, sich "am Widerstande gegen die Zeit" zu beteiligen, "und nicht nur gegen diese, sondern jede Zeit überhaupt", so ist das in der Demokratie nur weniger riskant, aber nicht weniger nötig als in der Diktatur.«
(Rolf Hochhuth, Dramatiker)

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